8 de mayo de 2003
www.20min.ch
Lukas Rüttimann
Mister-Nice-Guy
Mister Nice Guy
Marilyn, der alte Scherzkeks. Kann nicht aus seiner Haut, der Mann. Deshalb engagierte er für die optische Umsetzung seiner neuen CD den Künstler Gottfried Helnwein.
Schon vor 25 Jahren lösten die Scorpions mit einem Helnwein-Cover Proteste aus. Und die Aufregung um die Rammstein-Fotos dürften selbst Marilyn Manson nicht entgangen sein.
Marilyn, der alte Scherzkeks. Kann nicht aus seiner Haut, der Mann. Deshalb engagierte er für die optische Umsetzung seiner neuen CD den Künstler Gottfried Helnwein. So sieht man Amerikas populärste Skandalnudel stilgerecht in Nazi-Klamotten oder als Revue-Zampano im 30s-Look. Die gelungenste Aufnahme jedoch zeigt ihn als Mickey Mouse - standesgemäss versehen mit Stahlzähnen.
Reichlich lustig ist Manson auch auf «The Age of Grotesque». Hier geht er einen Schritt weiter als bei seinem Mainstream-Flirt «Tainted Love». Nahm sich Manson im Video zum Soft-Cell-Cover schon auf die Schippe, führt er nun sein Shock-&-Awe-Konzept ad absurdum. Tracks wie «Doll-Dagga Buzz-Buzz», «Mobscene (Sauerkraut Mix)» oder «Ka-Boom Ka-Boom» verraten das Zwinkern in Mansons Glasaugen - Marilyn, der Gaga-Dadaist.
Originell ist er weniger. Musikalisch bedient sich Manson seiner bewährten Volldröhnung aus Industrial, Brachial- und Stadion-Rock. Schon vor 25 Jahren lösten die Scorpions mit einem Helnwein-Cover Proteste aus. Und die Aufregung um die Rammstein-Fotos dürften selbst Marilyn Manson nicht entgangen sein. Freilich war Leichenfledderei immer schon das stärkste Argument, Manson nicht zu mögen. Seinen Sound haben Acts wie Nine Inch Nails oder Skinny Puppy vorweggenommen. Und sein Image? Ozzy Osbourne hat die Drogen genommen, Alice Cooper lebte echte Albträume und das Spiel mit der Sexualität trieb schon David Bowie auf die Spitze.
Genial ist Marilyn Manson trotzdem. Über den US-Superstar urteilen sollte ohnehin nur, wer seine Show selbst erlebt hat. Bei seinem Zürcher Konzert Anfang 2000 etwa zeigte Manson eindrücklich, dass sein Konzept funktioniert. Die perfekt choreografierte Rock-Oper machte Mansons formatierte Provokationen zum Erlebnis, seine Songs stopften Kritikern mit ihrer schieren Urgewalt das Maul.
Wer zudem Mansons Einschätzung der US-Befindlichkeit in Michael Moores «Bowling for Columbine» gesehen hat, weiss um die analytische Fähigkeit des hageren Herrn mit der tiefen Stimme. Mansons Erfolge sind vielleicht ein Resultat seiner Intelligenz - ganz bestimmt aber seiner Treffsicherheit, mit welcher der ehemalige Musikjournalist das Erbe seiner Schockrock-Vorfahren einsetzt. Kalkül wäre ein anderes Wort. Und den Schock kalkulieren kann nur einer, der seine Dämonen besiegt hat - humorvoll damit umgehen sowieso.
Lukas Rüttimann
The Golden Age of Grotesque (Marilyn Manson)
2003
The Golden Age of Grotesque (Marilyn Manson)
2003
Marilyn Manson
2003




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