Helnwein ( texte )
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Heiner Müller
Selektion -Neunter November Nacht

Museum Ludwig, Köln

Wie hält ein freundlicher Mensch wie Helnwein es aus, seine - exzellente - Malerei zum Spiegel der Schrecken des Jahrhunderts zu machen?
Oder hält er es einfach nicht aus, das nicht zu tun? Reflektiert sein Spiegel nur die Jahrhunderthaltung, LIEBER EIN SCHRECKEN OHNE ENDE ALS EIN ENDE MIT SCHRECKEN, die aus der Überbewertung des Todes kommt, Folge seiner Tabuierung durch Statistik. Perseus, der die Gorgo im Spiegel guillotiniert, und wenn der Kopf fällt, ist es der eigene.
Wie viel Köpfe hat ein Mensch / Mann in unserem Zeitalter der Spiegel? ... +
Heiner Müller über Gottfried Helnwein

Gottfried Helnwein :
Heiner Müller
Selektion - Ninth November Night
English translation
A story by Stephen King. An American schoolboy, twelve or thirteen years old, fascinated in his small-town boredom by documents on the German concentration camps - the way his classmates are by Superman - the formula of his fascination: THEY JUST DID THOSE THINGS...
How does a friendly person like Helnwein stand making his - excellent - painting into a mirror of the terrors of this century? Or is it that he can't stand not doing it? Does his mirror just reflect the attitude of the century? TERROR WITHOUT END IS BETTER THAN AN ENDING IN TERROR. It comes from the over-evaluation of death, a consequence of "statistics" making it taboo. Perseus guillotines the Gorgon in the mirror -, and when the head falls, it is his own.
How many heads does a person/man have in our age of mirrors? ... +
Heiner Müller about Gottfried Helnwein

Gottfried Helnwein : The Silent Glow of the Avant-Garde I (triptych)
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Peter Gorsen
Die suggestiven Bildmontagen Gottfried Helnweins
In Wirklichkeit ist Helnwein kaum einzuordnen. Bei ihm findet sich ebenso ein kleinmeisterliches Werk skurril-phantastischer Zeichnungen in der Nachfolge von Redon und Kubin. Meist vergessen wird auch sein Engagement gegen autoritäre Erziehung, Wettrüsten, Verschmutzung der Umwelt und Psychiatrie. Helnwein hat die Motive und Formen der Populärkultur in teils karikierender, teils grotesk verfremdender Absicht verwendet. Sein penetranter Hypernaturalismus beunruhigt, grenzt an ironische Übertreibung. Die Brecht-Benjaminsche Maxime "Nicht an das gute Alte anknüpfen, sondern an das schlechte Neue" hat bereits seine Anfänge in den frühen siebziger Jahren bestimmt.
So wurde für ihn das grenzüberschreitende Arbeiten mit Mitteln ebenso der Fotografie, Comic strips, Science-fiction wie der realistischen Malerei eine selbstverständliche Konsequenz.
Helnwein hat den "ruhig theatralischen" Verzückungsgestus seines Selbstbildnisses mit der heroischen Haltung der leidenden Sebastians-Figur verglichen und beides zum Stigma des Künstlers im 20. Jahrhundert, einer quasi religiösen Erlöserfigur, verallgemeinert. Sein poetischer Bildtitel bringt den Betrachter zusätzlich auf die richtige Spur. Die optische Montage des modernen Künstlers als Schmerzensmann mit dem Landschaftsbild Friedrichs projiziert die gescheiterte Hoffnung der romantischen Rebellion auf die Gegenwart, auf das verinnerlichte, masochistisch gewordene Protestdenken der Moderne und ihre ästhetischen Grenzüberschreitungen. Kehrt die Romantik wieder? Nein, sie hat die Moderne in Wahrheit nie verlassen. Doch verengt und verinnerlicht sich ihre Rebellion in den irrationalen "Körpermetaphysiken" der zeitgenössischen Künstler auf das eigene Fleisch und Blut. ... +

Gottfried Helnwein : self-portrait as sub-human II
Peter Gorsen
Ordinariat für Kunstgeschichte an der Universität für angewandte Kunst, Wien
Der Untermensch

Edition Braus

Zum Selbstbildnis bei Gottfried Helnwein
Gleichzeitig mit den ab 1969 gemalten Bildnissen verletzter und mißhandelter Kinder wird um 1971/72 das bandagierte Kind als die neben dem Künstler wichtigste und mit ihm verbündete Märtyrerfigur in der Aktion dargestellt. Es verkörpert den unschuldigen, wehrlosen, der Gewalt ausgelieferten, geopferten Menschen. Als unschuldigem "Lichtkind", dessen Verletzungen an Kopf und Händen Lichtstrahlen wie selbstleuchtende Stigmen aussenden, wird him die gleiche Heroisierung zur Dulder- und Erlöserfigur wie dem Künstler zuteil. In einer Fotosequenz von 1972 wird diese Lichtmystik auf das Selbstbildnis des Märtyrer-Künstlers ausdrücklich übertragen. Die Wundmale und Knebelungen des Gesichtes verwandeln sich in den mit einer Grattage-Technik bearbeiteten Grimassenfotos zu weiß strahlenden Leuchtspuren.
Das Gruppenbildnis mit Kindern wird Helnwein, wie auch seine zahlreichen Aktionen mit Kindern in der Öffentlichkeit zeigen, künftig nicht mehr loslassen. Sein Eintreten für die Rechte des Kindes grenzt sich ab von jeder Kindertümelei, die in einer gesellschaftlich ausgegrenzten "Kinderkultur", den kommerzialisierten "Kindermedien", in Kind als pädagogischem Objekt und in der ideologischen Verklärung der eigenen Kindheit durch die Erwachsenen ihren Ausdruck findet.
Abgrenzbar ist Helnwein auch vom Wiener Aktionismus, wenn er den Körper des Kindes nicht zum ästhetischen Material (wie in den "Materialaktionen" von Günter Brus, Hermann Nitsch und Otto Muehl) nivelliert, sondern ihm eine symbolische Stellvertreterfunktion für den wehrlosen, geopferten Menschen verleiht. Dem sexualistischen Verständnis des Kindes im (Freud rezipierenden) "Wiener Aktionismus" setzt der Moralist und Weltverbesserer Helnwein die geschlechtslose Heilsgestalt des Kindes entgegen.
Die Tendenz zur patriarchalen Verklärung und Idealisierung eines unschuldigen, opferbereiten Kindmenschen, der Kinder und Künstler als einzige kreative Interessengemeinschaft umfaßt, während der weibliche Mensch ausgescholossen bleibt und in den Geltungsbereich der übrigen ästhetischen Objekte fällt, unterscheidet Helnweins Bildwelt wesentlich von Pansexualismus und Triebanarchismus der einstigen Wiener Aktionsgruppe. Das idyllische Gruppenbild des Künstlers als Schmerzensmann mit malträtierten Kindern hat auch einen lebensgeschichtlichen, autobiographischen Aspekt, seitdem die eigenen aufwachsenden Kinder Cyril, Mercedes und Ali zu Modellen der Live- und Fotoaktionen avanciert sind. ... +
Peter Gorsen über Gottfried Helnwein anlässlich der Ausstellung "Der Untermensch, - die Selbstbilnisse von Gottfried Helnwein" im Musée d’Art Moderne, Strasbourg, December 1986

Gottfried Helnwein : self-portrait as sub-human I
Peter Gorsen
"Der Untermensch"

Edition Braus, Heidelberg

Gottfried Helnwein in his self-portraits
Je est un autre, RIMBAUD.
Helnwein compared the "quietly theatrical" ecstatic attitude of his self-portrait with the heroic pose of the figure of the suffering figure of Sebastian and generalizes both to the stigma of the artist in the 20th century, making him a kind of saviour figure. In addition, its poetic title sets the viewer onto the right track. The visual montage of the modern artist as Man of Sorrows with Friedrich's landscape painting projects the dashed hopes of the romantic rebellion into the present, to the protest thinking of modernity, which has become introverted and masochistic, and its crossing of aesthetic boundaries. Is romanticism making a comeback? No; actually, it had never left modernity. But its rebellion is confining and introverting itself in the "body metaphysics" of contemporary artists to its own flesh and blood. ... +
Gottfried Helnwein, One Man Show at the Museum of Modern Art, Strasbourg

H.C. Artmann
Helnwein, Monographie

Orac Pietsch Verlag, Wien

einer erstellt die summe seiner beobachtungen in dieser welt der patzer und dämonen.
er vernimmt die schreie aus den gekachelten schreckträumen abseits einer satten gesellschaft, die weder mit dem laub der bäume noch mit dem grün der laubfrösche noch mit den froschaugen des miterlebens zu schaffen haben will.
er aber hört manche, die da schreien bis ihnen die gehirne zerspringen wie lichtjahre, und hört andere, still vor sich hinweinende, deren tropfende tränen eines noch-hoffens mit dem abscheulichen eisskalpell der hoffnungslosigkeit seziert werden. ... +
Gottfried Helnwein, MONOGRAPH

Gottfried Helnwein : Self-Portrait
Roland Recht
Conservateur en Chef des Musées de Strasbourg
Musée d’Art Moderne, Strasbourg

France

Une imagerie de la terreur
Le travail de Gottfried Helnwein se situe aux confins de plusieurs pratiques considérées généralement par la critique comme rigoureusement indépendantes les unes des autres: l'illustration, la peinture, la photographie, le happening. Cela suffirait déjà à le rendre suspect aux yeux de toute orthodoxie. ... +

Gottfried Helnwein :
Klaus Albrecht Schröder
Ausstellung "Die lädierte Welt", Realismus und Realismen in Österreich
Kunstforum, Wien
Helnweins Beitrag zu einer Hagiographie des 20.Jahrhunderts
Es läßt sich schwerlich leugnen, daß die Aggressions- und Verletzbarkeitssymbolik von Helnweins bekanntem, mehrfach variierten Selbstportrait mit verbundenem Kopf, den von Wundklammern geblendeten Augen und dem aufgerissenen schreienden Mund etwas von einer selbstevidenten Metapher für eine elementare menschliche Bedingung heutiger Existenz hat.
... +

Gottfried Helnwein : Black Mirror I
Roland Recht
Chief Curator of Museums, Strasbourg
Musée d’Art Moderne, Strasbourg

France

Helnwein, Der Untermensch
From this it may be seen that the Viennese Helnwein is part of a tradition going back to the 18th century, to which Messerschmidt's grimacing sculptures are to belong, on which one of Freud's pupils wrote a long treatise. One sees, too, the common ground of these works with those of Arnulf Rainer or Nitsch, two other Viennese, who display their own bodies in the frame of reference of injury, pain, and death. And one sees how this fascination with body language goes back to the expressive gesture in the work of Egon Schiele. ... +
Gottfried Helnwein, SELF-PORTRAITS

Gottfried Helnwein : Kiss of Judas II (detail)
Peter Gorsen
Graphische Sammlung Albertina, Wien

Ausstellungskatalog

Neben Skizzen von Ballet tanzenden Hasen und gestiefelten Katzen, strangulierten und gestopften Enten finden sich Studien oder eher Wunschzeichnungen zu malträtierten Kinderköpfen, deren Münder durch Spangen und rosige Narben grauenhaft entstellt sind, aber gleichzeitig durch ihre höhnischen, Fratzen schneidenden Grimassen Ungehorsam, Widerstand, Aufruhr, so etwas wie kindliche Autonomie in der depravierten Erwachsenenwelt signalisieren. Das Feixen des malträtierten Kindes, ein groteskes Vexierbild, in das Märtyrertum und Subversion der Menschenkreatur gleichermaßen eingeflossen sind, ist ganz allein Helnweins Erfindung. Sie offenbart sich in den vielen Metamorphosen des Phantasmas vom versehrten Körper als obsessives Grundmuster seiner Bildwelt und aktionistischen Darstellungen, als Metapher einer im Innersten des Menschen vorhandenen Unverletzlichkeit und Unbesiegbarkeit. ... +
Gottfried Helnwein, ONE MAN SHOW, ALBERTINA MUSEUM, VIENNA, 1985

Gottfried Helnwein : Lady Macbeth
Die Zeit
Rolf Michaelis
Choreographisches Theater in Heidelberg. "Macbeth" von Johann Kresnik und Gottfried Helnwein
Es gelingt Kresnik und Helnwein uns mit einer grausigen Mord-Ballade zu fesseln, die mit höhnischem Gelächter vor unseren Augen vorbeirast - wobei der schon dem Tod geweihte neue Herrscher statt der Krone eine zwar goldene, aber noch Narren-Kappe wie eine Tiara trägt.
Sieger, so die Botschaft, gibt es im tödlich närrischen Kampf um die Macht nicht. Sieger in Heidelberg sind, in einer glanzvoll wüsten Inszenierung: Gottfried Helnwein, Johann Kresnik und das mitreißend auftrumpfende Ensemble von siebzehn Tänzerinnen und Tänzern. ... +
Gottfried Helnwein, Stage and Costumes for "Macbeth", byJohann Kresnik's Choreographic Theatre , Heidelberg, 1988

Gottfried Helnwein : Roter Mund (Red Mouth)
Süd-Ost Tagespost
G. Brugner-Rosenbaum
Dieser junge Künstler malt das lautlose Sterben voll poetischer, melancholischer Schönheit.
Für mich ist er gleichsam ein Handke unter den Malern, ein exakter Beobachter, der bei seinen Mitmenschen die Innenhaut nach aussen stülpt und sie somit demaskiert.
Die gemalten Schreie bleiben ungehört, zerbrechen klirrend an unsichtbaren Wänden
und gefrieren in der Kälte der Einsamkeit.
Der Mörder ist zugleich auch der Ermordete, im unschuldigen Kind steckt der unberechenbare Dämon. Alle sind gespaltene Existenzen, sadistische Masochisten,deren Gesichter von einer hilflosen und erbarmungswürdigen Hässlichkeit geprägt sind. ... +
Zum Erscheinen der Helnwein - Monographie im Orac -Pietsch Verlag, Wien

Gottfried Helnwein : Selektion - Ninth November Night
Charles-Henri Favrod
Director Musée de l'Elysée Lausanne
"Ninth November Night" Catalogue
"In the struggle against the Jew, I defend the acts of God!" Those were Hitler's words in Mein Kampf.
I admire the work of Gottfried Helnwein a great deal. This photographic testimony encourages reflection and provokes the examination of conscience, which is necessary for every one of us where racism is concerned. The laceration of the portraits is proof of the fact that we cannot be indifferent to the warning of the "final solution".
I consider myself lucky to be able to exhibit this gallery of memories in its present form in Lausanne. ... +
Gottfried Helnwein, INSTALLATION, "NINTH NOVEMBER NIGHT", AT THE MUSEUM LUDWIG

Gottfried Helnwein : Austrian Poet Wolfgang Bauer
Wolfgang Bauer
Poet
SONG FOR HELNWEIN
ZU BODEN WIRFT DER TRÄUMER DEN BLICK / SCHWERER REGEN WIRD FALLEN / DURCH SEINE AUGEN / IM SCHLENDERN / DIE ROTEN HÄNDE IN DEN RAUHEN MANTEL GEBALLT / TIEF IN DER MAGENGRUBE / FÜHRT ER DIE SONNIGEN TEMPEL / BRENNEND UNTER DEM TAGESBLAU / SPAZIEREN / ÜBER DEN

BOULEVARD OF BROKEN DREAMS

GEHEN, GEHEN / SCHLURFEN IN DER DAMPFENDEN NÄSSE / DIE GESPIEGELTEN THEATERREKLAMEN WEGKICKEN / VOM GLITSCHIGEN TROTTOIR / IN DEN PEEP-SHOWS VERTROCKNEN / MENSCHEN REMPELN / AUS LIEBE / SICH DIE KÖPFE AN EISENGELÄNDERN ZERSCHLAGEN / IM MILCHIGEN KNEIPEN / DEN ZITTERNDEN KÖRPER MIT SCOTCH FÜLLEN / LÖSCHEN IRGENDWO AM /
BOULEVARD OF BROKEN DREAMS ... +

Gottfried Helnwein :
Simon Wiesenthal
Gottfried Helnwein, Ninth November Night, Catalogue

Museum Ludwig Cologne

Not even the children were spared; they, too, fell victim to the destruction.
It was Gottfried Helnwein's most convincing idea to present the consequences to this "period without mercy" in such an unconventional manner. He made no use of photos of heaped corpses; children's portraits force the observer to stop and consider this idea. The fury with which the neo-nazis reacted to these portraits is understandable inasmuch as it is the very same fury with which they have for years been fighting against The Diary of Anne Frank; the murder of children rouses abhorrence and conflict in every human, whether they are motivated by ideology or insanity. The urge to destroy has survived; the portraits bear witness to its rage - an attempt was made to cut them to shreds. "People, please, stop,... look at these children's faces, multiply their number by a few hundred thousand. Only then will you realise or gain an inkling of the extent of this holocaust, of the greatest tragedy in human history!" ... +
Gottfried Helnwein, INSTALLATION, "NINTH NOVEMBER NIGHT", AT THE MUSEUM LUDWIG

Gottfried Helnwein : Roter Mund ( Detail )
Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt
Erika Brenken
Die Kunst von Gottfried Helnwein - Erfolg und Kritik
Die Provokationen des 34jährigen Künstlers sind subversiv und klammheimlich.
Sie packen den entsetzten Betrachter eben da an, wo die antrainierten Verdrängungsmechanismen sonst so gut funktionieren.
Das wird am deutlichsten bei Helnweins Kinderbildern. Zarte pastellfarbene Zeichnungen, die zum Horrortrip für den Betrachter werden. Die sanften Kindergesichter sind durch Verletzungen furchtbar entstellt. Hasenscharten, Narben, Wundmale, Klammern, Kanülen, Bandagen.
Der Anblick ist kaum auszuhalten. Aber was bedeutet das schon gegen die täglich von vielen tausend Kindern erlittenen Schmerzen, Qualen und Folterungen?
Helnwein denunziert nicht die Kinder - das häufigste Missverständnis, mit dem man sich gegen seine Kunst wehrt - sondern unsere Neigung, vor dem Leiden die Augen zu verschliessen.
Der Künstler entlarvt das Bedürfnis nach heiler Welt (oft nur eine Form von Abgestumpftheit) als unmoralisch, als Angst vor der Realität .
Ein Moralist mit sadistischen Mitteln. ... +
Gottfried Helnwein, Monographie, Orac-Pietsch Verlag, Wien

1.Wiener Kindergalerie
Ausstellung 17. Oktober bis 21. November 1982
Gottfried Helnwein
Künstler - und ihre Kinderzeichnungen
Das einzige, das von meiner Schulbildung geblieben ist, - das Schreiben und das Rechnen, habe ich in der Volksschule gelernt, bei den katholischen Schulbrüdern - ganz ohne moderne Pädagogik.
Dort habe ich sogar im Zeichnen etwas gelernt. Im Religionsunterricht haben wir Herzen gezeichnet - mit Flügeln und schwarzen Flecken, die in den Beichtstuhl hineinfahren und auf der anderen Seite wieder weiß herauskommen.
Das ist doch phantastisch!
Oder - "das Auge Gottes"! Damals hat jeder in unserer Klasse gezeichnet wie der Günther Brus. Danach auf dem Gymnasium war alles Scheiße. Im Englischunterricht mußten wir 4 Seiten aus "Ann and Pat" auswendig lernen und in Bildnerischer Erziehung eine Wunderblume zeichnen.
Ich hasse aber Wunderblumen, und so habe ich Donald Duck als Kapitän gezeichnet, wie er gerade Tick, Trick und Track anschreit.
Worauf mein "Zeichenprofessor" meine Eltern vorgeladen hat, um ihnen mitzuteilen, wie gefährlich es sei, Witzhefte nachzuzeichnen.
Damit hatte er jedoch nicht recht, denn die einzigen Lehrer, von denen ich wirklich etwas gelernt habe - nicht nur künstlerisch, sondern auch philosophisch, also für's ganze Leben sozusagen, - waren Walt Disney, Carl Barks und Donald Duck.
Sie waren immer für mich da, und wenn ich das Gefühl hatte, niemand versteht mich, sie haben mich immer verstanden. Und wenn ich traurig war und einsam, sie haben mich wieder aufgerichtet und mir wieder Mut gemacht,
und gemeinsam mit Tick, Trick und Track habe ich dann gesungen: "Wir pfeifen auf Pomade, auf Seife, Kamm und Schwamm, wir bleiben lieber dreckig und waelzen uns im Schlamm!" ... +

Botho Strauss
Texte
Helnwein, Monographie

Orac Pietsch Verlag, Wien

Verwunderlich wäre es, doch nicht mehr undenkbar, wenn eines fernen Tages, aus der Anderen Zeit heraus, das deutsche Dritte Reich nicht mehr vornehmlich nach seinem blutigen Formgefühl beurteilt würde, mit dem es die Schrecken der Diffusioo im ersten Massenzeitalter beseitigte, sondern vielmehr erinnert würde als das erste, alles in die Verirrung treibende Beben, als der Erste Ruck vor dem langsam gewaltigen Aufbruch in eine "geschichtslose" statische Epoche. ... +
Gottfried Helnwein, MONOGRAPH

Barbara Frischmuth
Helnwein, Monographie

Orac Pietsch Verlag, Wien

Für Gottfried Helnwein und seinen überlisteten weißen Clown
Crying for the moon... immer hast du ihn haben wollen. Zuerst einfach so, als blanke Münze, konvertierbar in deine samtfarbenen Zwangssehnsüchte, als Kleingeld für die Überfahrt in die von den Emigranten der Nacht gelobten Länder, als leuchtender Kiesel - Wegweiser durch die Styxe des Amüsiergewerbes.
Den Mond wolltest du, weil du die Erde nicht in den Arm nehmen konntest, den Mond, weil sein Licht dir den Blick in die Höhe trieb, der der Sonne nur blinzelnd entgegenzwinkerte, den Mond, der für die meisten ein Gefühl ist, mit dem keiner weltmäßig leben kann.
Mondsüchtig wie Pierrot und doch den Gaffern zugewandt, deren Sympathie sich an deiner trauernden Weiße bricht. Der rote Punkt an deiner Nase ist das Stoppzeichen für all die Aberwitze, die dein Gegenspieler August dir ums Maul streicht. Natürlich bist du prächtig gekleidet und du weißt, was du deiner entrückten Seinsweise an lasziver Grandezza schuldig bist, um nicht nur ins Auge zu fallen, sondern darin zu bleiben, als zur Eisblume verwandelter Splitter, der Stachel der Sehnsucht nach einer Welt, aus der du zu uns kommen scheinst, die du aber nicht verkörperst. ... +

Gottfried Helnwein : Das Grubenunglück ( mine disaster)
Tiroler Tageszeitung
v.h.
Manische Beschäftigung mit der "Verlarvtheit" des Menschen
Der 1948 geborene Wiener wird in den USA wie in Japan als virtuoser Graphiker zur Kenntnis genommen, der mit Bleistift und Feder, Buntstift und Aquarellpinsel eine Hinterwelt gespenstischer Überwirklichkeit, der Banalität des Entsetzlichen, des Wahnsinnigen, einen neuen Surrealismus ausspielt.
Dieser Surrealismus hat nur mit einsamen und ehrlichen Manifesten des alten Surrealismus zu tun.
Er ist mit Goya, Kafka, Edgar Allan Poe, mit den härtesten Äußerungen expressionistischer Graphik und Literatur enger verwandt. ... +
Gottfried Helnwein, one- man show, Galerie Bloch, Innsbruck



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